Mari im Wunderland?
Tage wie Sekunden, Sekunden wie Jahre. Ich wandle zwischen den an mir vorüber ziehenden Welten am Straßenrand, durch die unendliche Zeit die überall ist und doch nirgends. Zu kurz, wenn man den Moment gern festhalten würde und zugleich unnachgiebig lang und verletzend kann sie sein.
Ein Hoch lässt mich in Lichtgeschwindigkeit fliegen. So stehe ich im Wind, spüre die Sekunden, die mich umwehen wie junge Blätter im Herbst. Und alle was tun ist, ist zu tun; denn irgendwann weiß man, dass manche Momente, wie Sterne ein letztes Mal zu einem sprechen, ehe sie unwiederbringlich im Nirgendwo verglühen.
Dunedin hat meine geschundene Reiseseele mit Gitarrenmusik und einer Ukulele besänftigt. Ich habe das Haus meiner Couchsurfer-Hosts vollends genutzt, indem ich es drei Tage kaum verlassen habe. Das gab mir Gelegenheit zum runterschalten. Ich brauche immer mehr Pausen im Moment, das besorgt mich. Nicht ernsthaft natürlich, und doch zeigt es mir auf, dass es Zeit ist für ein Ende des Wartens. Warten auf den Sonnenuntergang, die Flut, die Ebbe, den Morgenkaffee, die nächste öffentliche Toilette oder endlich wieder Strom.
Ich fuhr meinen Weg entlang der Küste, über Oamaru nach Mount Cook Valley, wo ich mich nach einer heißen Sauna im Hostel, der ersten Sauna seit meiner Abreise, endlich wieder wohl fühlte. Umgeben von schneebedeckten Bergen, in dem man nachts die Schneebretter von den Hängen rutschen hören kann, wenn man genau lauscht. Das Hostel in Mt. Cook war wunderbar. Voller freundlicher Energien. Den nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Wanderung zur Mueller-Hut auf etwa 1.800 Höhenmeter geplant. Dieser Plan wurde jedoch vom Wetter durchkreuzt, und so verbrachte ich den Tag mit dem Besuch des DOC-Visitor- und dem Sir Edmund-Hillary Centre. Beide Center beherbergen eine große Ausstellung zur Geschichte der Umgebung der Bergsteiger-Kultur, der Flora, Fauna und dem Tribut der Gebirge, die zu meiner Verwunderung nach wie vor jährlich zahlreiche Todesopfer fordern.
Ich erfreute mich am reichhaltigen Dokumentarfilmangebot, das Physik, Historie und Astronomie abdeckte und mir so im Stillen: Wäre es nicht mal toll mit einem Helikopter zu fliegen?
Gedacht – Getan.. Am nächsten Morgen saß ich auf über 3.00 Metern Höhe in einer kleinen Blechkapsel. Wir überflogen den Mt. Cook Gletscher-Fluss, machten eine Runde um den majestätischen Gipfel und landeten auf einem Gletscher. Der Flug war ohnehin schon günstiger, da ich einen Single-Restplatz für über hundert Dollar ergattern konnte. Da wir aufgrund des aufsteigenden Nebels keine 360° Umrundung des Mt. Cook machen konnten, bekam ich noch mal 90 Dollar erstattet, wo ich ohnehin schon weniger bezahlt hatte, als meine fünf asiatischen Co-Flieger. Mit diesem Gefühl eines guten Schnäppchens verließ ich Mt. Cook Village in Richtung Lake Tekapo. Selbiger ist für sein tiefes Türkis bekannt, das durch reflektierende Partikel im See den blauen Himmel widerspiegelt.
Ich blieb dort einen erneuten Tag, da ich nachts die Mt. John Observatory besuchen wollte. Da Lake Tekapo für seine reine Atmosphäre bekannt ist, ist das Observatorium auf der Liste der Anwärter als World Heriatage Sky Area. So sagte man mir: Wir beschützen Wasser, Land, Natur, aber niemand beschützt den Himmel.. So wird in ganz Tekapo ausschließlich ein bestimmtest oranges Straßenlicht verwendet, das möglichst wenig strahlt und blendet.
Ungünstiger Weise war der Himmel just an diesem Abend bewölkt, so dass wir zwar eine wundervolle Sonnenuntergangstour bekamen und im Observatorium herumgeführt wurden, der erhoffte direkte Blick in die Sterne blieb jedoch aus. Allerdings bekam ich so viele Eindrücke, Bilder und Filme gezeigt, die wohl den direkten zufälligen Blick durchs Teleskop wett machen.
So verließ ich dennoch zufrieden die Sternwarte, hinein in mein Hostel. Die Nacht im Acht-Bett Zimmer war unruhig und sägend, so dass ich schon um fünf Uhr wieder wach war, um mit zu Hause zu telefonieren, das Twilight und den Sonnenaufgang an den berühmten Good-Shepherds’-Church zu bewundern.
Von Tekapo reiste ich weiter nach Christchurch. Ich wartete bereits seit langem Ungeduldig, endlich diese Stadt zu sehen, da ich mir im Vorfeld einen Schlafplatz bei Lee besorgt hatte, wusste ich demnach auch ein direktes Ziel dort. Lee war superfreundlich, und lud mich direkt auf eine Sonnenuntergang auf dem Viewpoint ein- auf seinem Motorrad natürlich. Das war meine erste Fahrt auf eine Motorrad, doch auf einem Rod-Trip durch Neuseeland, nach einem Helikopter-Flug konnte mich so schnell nichts verschrecken. Neben mir war auch Felix, ein weitere deutscher Backpacker unter tausenden, bei Lee unter gekommen und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend und machten Pläne für den folgenden Tag, der wieso auch immer speziell werden sollte..
Am darauf folgenden Vormittag warfen wir uns in Schale, nahmen Säbel, Schwimmringe und Kopftuch zur Hand und fuhren zum Botanischen Garten, wo wir Gondelboot und Kajaks in der Avon jagten. Die Beute war mickrig, doch der Spaß und das Aufsehen groß. Abends sahen wir den neuen „Alice in Wonderland“ Film, auf den ich mich schon seit Monaten freute, ein großartiges Erlebnis, diesen Film vor allem in 3D genießen zu können. Großartig!!! Ich freue mich darauf, ihn in Deutschland noch einmal anzusehen.
Am nächsten Tag, ein Freitag hieß es Abschied nehmen, ich kam jedoch nicht weit, denn unweit sah ich das Schild „Hohepa Canterbury“. Ich fiel in das Office ein und wusste eigentlich gar nicht was ich dort so recht wollte, so fragte ich nach jemandem, der mich vielleicht ein wenig rumführen könnte, da ich von meine Hohepa Auckland Erfahrung gespannt auf die anderen Einrichtungen in Neuseeland war. Man zeigte mir Elena, eine junge deutsche Volontärin, die mir am Nachmittag all meine Fragen beantworten würde können. Ich fuhr orientierungslos durch die Stadt, verfuhr mich ein duzend mal, doch erreichte zum guten Schluss Hohepa, wo ich bei Tee auf der Couch mit Elena über das Hohepa-Leben erzählte. Die Erfahrungen, die wir beide machten warnen erschreckend ähnlich, trotz der Distanz der beiden Einrichtungen. Wir redeten bis in die Nacht, die ich bei Hohepa in den Volontäts-Wohnung auf dem Wohnzimmerboden verbrachte.
Samstagmorgen machte ich mich in aller Frühe auf in die Stadt, denn ich hatte das Gefühl nach wie vor noch nicht viel von Christchurch gesehen zu haben. Ich besuchte den Kunstmarkt mit seinen Handarbeitsständen und Fressbuden, traf mich danach noch mal mit Elena zum Stadtbummel, Sightseeing der Christchurch Cathedral und auf einen lecker-schmucker Muffin mit Milchkaffee. Eigentlich wollte ich gegen Nachmittag nach Keikoura los fahren, da ich mich jedoch so gut mit Lee verstanden hatte, versprach ich ihn noch einmal zu besuchen, und blieb.. Ein gemütlicher Sonntag mit Tee und Draußen nur durchs Fenster sehen..
Montag Mittag zog ich dann doch los, mittlerweile komplett abgebrannt, da meine Kreditkarte gesperrt war. Ich hoffte auf eintrudelndes Geld auf meinen Account von meinen Eltern und fuhr indes Richtung Keikoura.
Gegen Abend machte ich Halt am Strand, ein Schild versprach „Beach Camping“, „Au ja“ dachte ich…
Die ersten Haltebuchten schienen mir zu nahe an der Straße, so fuhr ich weiter.. Als ich auf Sand auffuhr dachte ich „Oh weih, ich dreh besser um..“ Tja, weit kam ich nicht, denn meine Auto steckte bereits mit beiden Reifen im Sand. Ich stieg aus, grub und grub, legte Treibholz unter, stieg ein, versuchte los zu kommen, ich bewegte mich jedoch nur im Zentimetertakt..
Es wird mehr und mehr Dunkel und ich roch das heiße Plastik meiner Reifen, so beschloss ich Hilfe zu holen. An der Straße bei Dämmerung ein Auto anzuhalten war gar nicht so leicht, mein erstes Opfer war zu bequem und konnte mir ohne Vier-Rad-Antrieb ohnehin kaum helfen. Ich rannte also zu einem der beleuchteten Häuser auf der anderen Straßenseite, die mich bereits aufgelöst am Straßenrand hatten stehen sehen. Eine junge Frau fuhr mit mir durch die Nachbarschaft und nach einiger Zeit fanden wir einen älteren Herrn, der in Pantoffeln in seinen Pick-Cup stieg, um mich aus meinem Schlamassel zu ziehen.
Nach ein paar Anläufen kam ich frei und Carlos hatte wieder festen Boden unter den Füßen. Ich fiel meinen Rettern um den Hals, die danach genauso schnell verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Zu allem Überfluss hatte ich bei der ganzen Aktion einen meiner neuen Ohrringe verloren, die bereits nach zwei Tagen zu Lieblingsstücken avanciert waren, trotz gründlicher Suche heute am Ort des Geschehens beleiben sie verschwunden. Traurig.. So verabschiedete ich diesen aufregenden Geldlosen Stresstag am Straßenrand zwischen Brandung und LKW-Verkehr.
Heute bin ich endlich in Keikoura angekommen. Nach wie vor kein Geld, so ist die Fähre für Mittwoch Morgen wohl gestorben. Obwohl ich nach wie vor einige Vorräte habe, ich bin gesund und in einem wunderbaren Land, macht mich der Gedanke, keinen Penny in der Tasche zu haben etwas nervös, vielleicht wohl nur, weil ich hoffte, morgen früh die Fähre nehmen zu können.. Glück im Unglück erinnerte ich mich an eine SMS von Felix, die er mir von dem Handy seines Couchsurfers Spyro in Keikoura gesendet hatte. Ich dachte, die Frage sei wohl etwas dreist und kurzfristig doch ich schrieb Spyro und siehe da, der hat einen Unterschlumpf für mich heute Nacht. So kann ich hoffentlich von dort aus vie Festnetz meine Karte entsperren lassen und die Fähre am Donnerstag oder Freitag nehmen.
Mein Computer macht mehr und mehr Zicken, mittlerweile ist es wirklich schwierig, in auf Batteriebetrieb laufen zu lassen, weswegen das Blog-Schreiben in der letzten Zeit etwas Stressreich war, nun musste es aber doch mal sein.
Von Wellington, wo die Fähre ansetzt, fahre ich ohne geplante Stopps weiter nach Auckland, wo ich dann HOFFENTLICH ertragreich mein gutes Auto los werde. Da jede Verkaufsstrategie an der Ostküste sinnlos erscheint, weil einfach jeder sein Auto hier verkaufen möchte, beschloss ich es doch, mit hinauf auf die Nordinsel zu nehmen und es bei Hohepa verkaufen zu lassen.
Viel geschrieben und doch nicht nahezu alles erzählen können. Habe das Gefühl dieser Eintrag ist literarisch ziemlich lahm, doch die vielen Dinge, die ich erlebt habe ließen ohnehin kaum Raum für die schönen Kleinigkeiten dazwischen, die Autofahrt durch Schmetterlingskolonien, meine Freudentränen, meine Verzweiflungstränen, der Mars, ein frischer Apfel vom Baum oder ein vorbei treibender ertrunkener Igel im Fluss, der mehr schwebt als schwimmt..
Heute in einer Woche geht mein Flug. Noch sieben Tage Abenteuer.



























































als hintergrundrauschen vernehme ich eine leichte endzeitstimmung
yeah! bald komt mari wieder ins wunderliche deutschland!
freu mich;)