Ersehnte Weihnachtsgrüße

Heute Morgen, lag meine Weihnachtspost im Briefkasten.
Nach Auckland adressiert, wartete sie dort zum Weitersenden bereit, doch da ich nie eine stete Adresse vorweisen konnte, nahm Maria von Hohepa die Briefe in ihr Reisegepäck, um sie mir persönlich bei unserem Wiedersehen zu übergeben. Da jedoch, wie sie so schön schrieb, gerade beim Reisen nichts, aber auch gar nichts vorauszusagen ist, und wir uns bedauerlicher weise nun vielleicht doch nicht mehr auf der Südinsel treffen werden, sandte sie mir die Briefe in einem großen Umschlag nach Te Anau, wo ich nun, mit Schokoladen-Sandwich, Milchkaffee und Müsli am Couchtisch saß- es ist warm und sonnig vor dem Fenster- und die an mich gerichteten vorweihnachtlichen Zeilen las.
Es gibt Menschen, die weniger rührselig sind. Vielleicht liegt es an der dickeren Schale oder wie meine Mama annimmt, an der Verbindung zu Gott- Doch als ich dort saß, über den in unterschiedlichen Handschriften verfassten Zeilen meiner Freunde, meiner Oma und meiner Eltern, kamen mir Tränen der Rührung und des Glücks; Gesegnet zu sein, indem dort Menschen leben, die mich trotz aller Mühe des Alltags die Zeit nehmen, in Liebe und Freundschaft an mich zu denken, die mich um meiner Selbst mögen und deren Liebe mitunter so unsagbar groß ist, dass ich nicht einmal ahnen möchte, wozu sie fähig sein kann.
Mariel erreichte mich aus Vietnam mit einem Einblick aus den letzten Tagen in Hanoi, ehe sie zurück nach Deutschland geflogen ist. Naxina schrieb mir von der Tomaten-sauce auf dem Herd und dem Katzenjunges Albertina, das seit zwei Wochen bei ihnen lebt und ihren Alltag bereichert. Meine Oma wünscht mir Zeit zum Staunen, zum Lieben und zum Verschenken, zum Vergeben, zum Reifen und letztlich zum Leben.
Meine Ma berichtet von der dicken Reklame-Rolle, die ein alter Mann in unseren Briefkasten warf, und die sie gewohnheitsmäßig achtlos ins Altpapier wirft, da die Prospekte bloße Konsummanipulation sind- Doch im nächsten Augenblick der Achtsamkeit dachte sie an den alten Mann und seine Mühe, die Prospekte zu sortieren und sie Stück für Stück in die Briefschlitze zu werfen. Sie dachte an die investierte Zeit und daran, dass jeder Mensch seinen Teil zum gelingen unserer Gesellschaft beiträgt und dass sie daher beschloss, die Prospekte nun doch zumindest ein einziges Mal durchzusehen, um der Arbeit des alten Mannes Wertschätzung entgegen zu bringen.
Diese Briefe lasen sich wie die bisher obligatorischen Astrid Lindgren Weihnachtsgeschichten, die ich zur Vorweihnachtszeit genoss. Wärme aus der Tiefe der Herzen der Menschen, in Buchstaben zu Worten verformt und doch so mächtig in ihrer Kraft, Wärme zu spenden und mich in ihrer metphysischen Existenz so tief zu berühren, dass greifbare Liebe entsteht. Das ist das Wunder der Weihnacht, am 12. Februar 2010.

~ von Mari am Februar 12, 2010.

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