Erst Franz, dann Fox und dann auch noch Roy

Schlag auf Schlag geht’s nun in Richtung Süden, täglich bin ich diese Woche durchschnittlich 400km gefahren. Ich mache es dabei wie die großen Busunternehmen: ich halte an, wo es schön ist, genieße die Aussicht, knipse ein Foto (gern auch mal mehrere) und fahre weiter. Glücklicher weise bin ich dabei jedoch allein, kann während der Fahrt lauthals singen, und laufe nicht in Heerscharen von geklonten, Leggins und Shorts tragenden Abiturientinnen, auf deren Baumwolltasche unsichtbar „Meine Retro-Sonennbrille macht mich so individuell“ geschrieben steht.
Sonntag brach ich nach einem gemütlichen Vormittag mit Jaclyn, meiner großartigen Rainbow-sister von Murchison auf. Auf dem Weg entlang der Westküste besichtigte ich die Pancake Rocks, eine imposante Klippen-Attraktion, die durch dünn gelagerten Limestone einem Pfannkuchen-Stapel ähneln soll. Wer dabei jedoch an Pfannkuchen denkt, muss viel Fantasie oder Hunger besitzen. Nichts desto trotz ein lohnenswerter Stop.
Am Monatg erwachte ich in der Jade-Hauptstadt Hokitika, wo ich meine neue Westküstenleidenschaft entdeckte: Nach Jade-Edelsteinen am Stadt suchen. Der Stand trotz nur so vor grünen Steinen, doch darunter einen echten Jade zu entdecken, lässt mich regelmäßig in einen halbstündigen ekstatischen Suchlauf entlang der Kieselstein-Bänke verfallen. Immerhin sehr entspannend.. Gefunden habe ich übrigens bislang keinen (glaube ich zumindest) Pounamu, wie die Maoris die Greenstones auch nennen.
Die Gletscher Franz Josef und Fox standen Nachmittags zur Besichtigung an. Ein Programmpunkt, auf den ich mich im Vorfeld ganz besonders gefreut habe, da ich noch nie zuvor einen Gletscher gesehen habe, und mich selbige (zu unrecht) immer etwas milde in Sachen Klimawandel stimmen. Am Parkplatz des Fox-Gletschers traf ich eine alte Bekannte, Diana, mit der ich einige Wochen in Nelson gearbeitet und gelebt hatte. War eine schöne Überraschung, sie dort noch mal zu sehen, ehe sie nach Australien aufbricht.
Die Gletscher waren beeindruckend, die chinesischen Reisemassen, die ungünstiger weise den selben Sightseeing-Rhythmus besaßen, und jedes Warnschild fotografieren, jedoch nach einiger Zeit etwas nervig.
Die letzte Tankstelle vor 120km, die um halb acht abends ihren Dienst einstellt zwang mich dazu, in Fox zu übernachten. An einer Landstraße, mit einer wunderbaren Aussicht, quartierte ich mich für die Nacht ein- im Schnarchtakt mit den Kühen.
Dienstag: Nach einer langen Autofahrt entlang des Mt Cook und Mt Aspiring National Parks, verbrachte ich den restlichen Tag in Wanaka. Direkt vom Parkplatz aus, wo ich meine weitere Route ausmachte, konnte ich dort einen kleinen Tornado aus nächster Nähe beobachten- sehr eindrucksvoll. Die Windhose war zwar nur etwa 1 Meter im Durchmesser, jedoch über zehn Meter hoch, und rostrot von der mineralischen Erde in dieser Gegend.
Ich plante, mich durch einen etwa drei-stündigen Walk auf mein am Freitag folgenden Great Walk entlang der Milford Sound vorzubereiten: Eine leichte Wanderung entlang des Mount Roy sollte es werden.
Ich hätte mich besser am Parkplatz über den Namen des dort startenden Tracks erkundigt, denn der führte nicht entlang, sondern schnurstracks AUF Mount Roy. Bis ich das jedoch begriffen hatte, hatte ich bereits das erste drittel des Aufstiegs absolviert- ein äußerst steiler Anstieg. Der Gipfel-Track ist fünf Stunden lang, in der in drei Stunden 1200 Höhenmetern überwunden werden. Da ich den Weg erst um halb fünf begann, war es dem entsprechend spät, als ich wieder den Parkplatz errichte; doch die Aussicht war fantastisch und jeden müden Knochen wert! Wow!
Da mir Wanaka danach nicht mehr viel bieten konnte, fuhr ich nach einem vorzüglichen Broccoli-Kokos-Risotto vom Gaskocher (Gesund und gut outdoor kochen ist gar nicht so aufwendig wie ich dachte) weiter in Richtung Queenstown. Gegen zwölf machte ich Rast auf einem Aussichtspunkt oberhalb Queenstowns, wo ich todmüde in unruhigen Schlag verfiel. Mein Autobett ist momentan nicht mehr so komfortabel, wie gewohnt- sehr zu meinem Leidwesen meiner Augenringe.
Früh morgens machte ich mich auf nach Queenstown. Eigentlich plante ich hier ein vielfältiges Actionprogramm mit Gondelfahrt, Sommerrodelbahn und Sightseeing. Mein Besuch erschöpfte sich bislang jedoch darin, Internetanschluss und einen Waschsalon zu finden. Internet habe ich nach wie vor nicht gefunden und Wäsche hab ich auch keine gewaschen- Jedoch weiß ich, wo ich später duschen, Wäsche Waschen und ins Internet gehen kann. Solange bummele ich durch die Stadt, werde morgen mit der Gondel hoch und runter fahren und ansonsten entspannen. Morgen geht’s nach Te Anau, der Startort des Milford Track, wo ich, wie es der Zufall will, Santiago, einen uruguayischen Musiker (unglaublich talentiert und gut aussehend) treffe, dessen Triangel ich versehentlich (ehrlich!) geklaut habe. Somit hat Te Anau für mich nicht nur ein, sondern gleich zwei Attraktionen zu bieten.
So mache ich mich mal in die Touristenmassen und schaue, was der Tag in Queenstown noch so zu bieten hat.
Bis nächste Woche, mit dem Bericht über einen der schönsten Wanderwegen der Welt.
Kia Ora!

Anhang: Gondelfahrt absolviert, Sommerrodeln abgeschrieben, jedoch jede Menge der Stadt gesehen und eine lange schwarze Merino-Unterhose gekauft. Habe Wäsche gewaschen, wurde jedoch mit meinem Duschanliegen abgewiesen, nun hab ich mcih in ein Hostel geschmuggelt, und in aller Ruhe ausgiebig geduscht-großartig, diese anonymen Touristen Herbergen!
Habe zu meiner großen Freude Alrik in der Stadt getroffen, ein Freund, der sagenhaft Akkordeon spielt und den ich auf dem Rainbow Gathering kennen gelernt habe. Werde also noch einen unterhaltsamen Abend haben mit Musik von ihm und einem Gitarre spielenden Brasilianer. Und einem Mädel, das später im Park Feuer-Pois jongliert. Leben kann so schön sein..
Frisch geduschte Grüße

~ von Mari am Januar 27, 2010.

2 Antworten to “Erst Franz, dann Fox und dann auch noch Roy”

  1. stress dich nicht! wir können verstehen, dass du nicht ständig hinter dem pc klebst! >make peace, don’t panic<

  2. Hmmm, Pfannkuchen. ;-)

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