Ein Jahr..

•April 3, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Sowas wie ein Resume

•April 3, 2010 • 1 Kommentar

Nun bin ich seit zwei Wochen wieder  in Deutschland;  habe mich soweit  sogar wieder eingelebt; Den Jet-Lag schnell überwunden, dann doch nicht.. Lebe zwischen den Tages- und Nacht-Zeiten, von denen ich tagsüber müde und abends meist wach bin.

Dennoch- es ist  zwölf Uhr nachts-  endet meine Reise nicht mit Ankommen am Flughafen in Auckland. Ein Fenster in meiner Seele wurde geöffnet und das drängt wieterhin neugierig danach, zu erfahren, zu lernen, sehen und davon zu berichten.  Zwar sind meine Bilder und Geschichten nun nicht länger aus einem Land, das manche von uns noch nicht betreten haben, dennoch habe ich mir vor genommen, mein eigenes Heimatland und die Menschen hier und um mich herum, mit der selben  liebevollen Zuwendung zu beobachten, wie ich es in Neuseeland getan habe.

So mag sich möglicher weise außer mir niemand an den Bildern und den Erzählungen erfreuen, doch dann ist dann immernoch ein Geschenk an mich, wohl bekanntes mit den Augen eines neugierigen Touristen zu betrachten.

Zurück nach Auckland..

Ich verbrachte die letzten Stunden mit Souvenier-Einkaufen, ehe mich Tuba und Benjamin an den Flughafen brachten. Es war schön, die beiden dabei gehabt zu haben, da meine Aufregung, zurück zu fliegen zum Schluss doch etwas anwuchs.

Ich hatte einige Kilo Übergepäck (insgesamt ca. 50kg), doch konnte ich die übrigen Kilos in meinem, danach ca 12kg schweren Handgepäck verstauen. Nach dem Check-In jedoch war ich froh und glücklich, schrieb mein Handy-Guthaben mit Freunden leer, gab 15$ für eine Tafel Toblerone in Duty-Free aus und schaffte es dann doch noch als letzte in den Flieger.

Dort gab es nach dem Start eine leichtes Abendessen und der gute Merlot, den ich mir dazu bestellte, ließ mich tatsächlich acht Stunden Schlafen, bis wir kurz vor dem Frühstück und der anschließenden Landung in Los Angeles standen. Dort in die USA einchecken, zwei Stunden mit Crackern (das Gebäck), Softdrinks und Kaffee in einem chemikalisch kontaminierten Warteraum verbringen (Warnschilder: siehe Foto), den man nicht verlassen durfte, ehe ich wieder in den Flieger stieg- in Richtung London. What a Jet-Set-Life- I tell you..

Ich genoss das großartige Entertainment-Programm der Air-New Zealand-Company mit neuen und alten Filmen, Musik und Reportagen und viel zu schnell waren erneute 12 Stunden Flug vorüber, stets umrahmt von den Mahlzeiten, die ich durch die Desserts meines Sitznachbarn erweitern konnte, und weiteren Gläsern Merlot, die mich so angenehm entspannten.

Ich landete in Frankfurt am Mittwoch, den 17.März gegen halb fünf am Nachmittag, mein Gepäck lag ruck-zuck auf dem Fließband und der Weg zum Ausgang fast zu kurz, denn ich konnte kaum daran denken, dass ich nun wieder zu Hause war, als ich schon meine Familie und Freunde mit einer riesen-langen Regenbogen-Farne winken sah.. Was war das schön. Nach einem gemeinsamen Kaffe ging es langsam Richtung Heim und Bett, dass nach 40 Stunden Sitzen eine große Erleichterung war. Doch zuvor erwartete mich ein festlich dekoriertes Heim, Willkommens-Banner, übrig geblieben Weihnachts- und Geburtstags-Geschenke, so viel zu sehen und zu erzählen.. was für ein Tag!

Die nächsten Tage hatte ich eigentlich vor, mit Besuchs-Touren und diversen anderen Plänen zu füllen, jedoch stellte ich bald fest, dass ich mehr Ruhe brauchte, um vollkommen mit Geist und Seele anzukommen, als ich dachte. So verschanzte ich mich den Rest der Woche im Haus, ehe ich mich auf eine kleine Reise durch Marburg und das Rhein-Main- Gebiet machte.

Ich besuchte Freunde, arrangierte Termine, klärte Verträge – quasi die ganzen Vorbereitungen nun wieder rückwärts.. Ich packe in meinem Zimmer die Umzugskartons von A nach B und wieder zurück; Besuchte Familie, ging wandern, wieder mal  mit der Deutschen Bahn fahren (krass wie viel Leute in der Regional-Bahn weißes Pulver schniefen..) doch vor allem versuche ich zwischendurch, meine Balance wieder zu finden. Eine Balance, die so einfach vom Winde des Meeres und der Musik des Landes und ihren Mitmenschen getragen wurde.. Bald wird sie wieder in mir sein..

Es ist schön, all die lieben bekannten Gesichter nach so langer Zeit wieder zu sehen. Manche habe ich über 18 Monate nicht mehr getroffen. Manche lerne ich nun erst kennen, obwohl sie in meiner Abwesenheit fester Bestandteil des Freundeskreises geworden sind. Es ist jedoch anstrengend und schwierig für mich, in die hinterlassenen Muster zurück zu kehren, wo sich so viel an den Umständen und den Personen geändert hat. Natürlich kann man sich neue Muster schaffen, aber die setzen zunächst erst einmal ein vorzeitiges „zur Ruhe kommen“ in den Alten voraus Es ist schwierig, wieder deutsch zu sprechen, leicht zu vergessen, dass jedermann verstehen kann, was man sagt. Es ist so schwer, zu berichten- immer wieder dieselben Geschichten zu erzählen, die irgendwann ein bisschen stechen im Herzen, weil sie nun Teil der Vergangenheit und nicht länger einer lebendigen Realität sind. Das hat sich geändert: Ich komme zurück in ein altes System, in dem ich meinen eigenen Platz erst einmal wieder erstellen und finden muss.

Ich habe bereits eine wunderschöne WG gefunden, mit zwei netten Mitbewohnern, Balkon, Dielen-Fußboden,, voller Musiker und einer Hund-Gassi-geh-Option in einem sich in Renovierung befindlichen Fachwerkhaus in der Marburger Oberstadt und das auch noch günstig. Ich freue mich riesig, dort bald gemütlich einen Tag zu verleben. Mit Kissen, Decken, Tee und Nebengeräuschen aus den anderen Zimmern. Dann geht meine Arbeit wieder los, die Uni startet in wenigen Tagen und der Frühling kehrt Heim.

Ich bin wie der Frühling- fühl mich wie neu geboren.

Ich bin wieder da!!!

Time to say Good-bye

•März 16, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Schlaflose Nacht, wie vor einigen Monaten in Deutschland, seit einigen Wochen wieder.

Es ist die letzte Nacht in Neuseeland bis ich morgen Abend nach Hause fliege. Es fühlt sch nicht ganz real an, der Abschied, ich bin hier so sehr verwachsen und angekommen, dass die Welt auf der andern Seite des Globus bloße Imagination ist. Menschen, mit denen ich kommunizieren, auf die ich mich freue, doch sie nun doch wieder zu sehen fühlt sich an, als würde man plötzlich in seinem Lieblingscomic auftauchen. Nichts desto weniger weiß ich, dass es ein wahnsinnig schönes Wiedersehen sein wird.

Die Menschen, die ich hier bei Hohepa wieder gesehen habe, behandeln mich eine solchen Liebe und Großzügigkeit- so schön, sie alle wieder zu sehen!

Nachdem ich trotz Geldprobleme meinen Weg nach Picton zur Fähre gemacht hatte, verbrachte ich einen wunderschönen letzten Sonnenaufgang im Queen Charlotte Fjord. Ich sah Lou wieder, wir tauschten Geschichte der letzten Monate aus, ich fuhr weiter nach Hamilton, wo ich ein letztes Mal Theresa besuchte. Wir redeten über unser Leben und Erfahrungen- Es gab so viel auszutauschen.. Wieder nach Hohepa zurück zu kommen fühlte sich gleichzeitig sehr vertraut und sehr fremd an. Doch schnell war der Anschluss wieder hergestellt und ich genieße es, meine letzten Tage hier verbringen zu dürfen.

Ich wurde von Bennis Freundin, Miriam und ihrer Familie zum Essen eingeladen. Es gab erstklassiges chinesischen Essen und tolle Gespräche. Ich lernte endlich Tuba, eine Freundin gemeinsamer Freunde kennen und wir verstehen uns so toll. Es ist unendlich schön mit ihr noch einmal Erfahrungen auszutauschen, Tee zu trinken und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ich verabschiede mich im Geiste langsam von allen und allem und schaue nach vorn.

Er will nicht gehen, doch er muss!

•März 16, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Mein Auto und ich, so eine schoene Zeit ahtten wir zusammen, Carlos hat mich stets verlässlich reisen lassen und doch muss ich nun Adieu sagen. So schein es, ich wollte ihn los werde, und will ihn niemand haben, meinen weißen, starken Schatz. Dennoch, am Ende meiner Reise ein automobiler Rückblick:

Von Achim, einem qusi Mitvoluntär von Hohepa for etwa NZ$ 1400 am 21. April gekauft, trieb ich Carlos die kommenden elf Monate 11.642km ueber die Insel. Macht durchschnittlich 35km pro Tag. Alles was ich (meistens) dafür tun musste, war ihn mit guten Bleifreien Benzin zu betanken. Zu Zeiten der Rezession waren die Spritpreose bei etwa NZ$1,52, derzeit steigen sie stetig an und befinden sich derzeit bei NZ$1,80. Pro Volltank brachte mich das je nach Straßensituation und Fahrweise im Durchschnitt 550 km weit, woraus ich folgern kann, dass mich der reine Transport für die Vergangenen elf Monate NZ$1.900 gekostet hat. Bei approximatem 22 Mal Volltanken :)

Mit den zwischenzeitlich angefallenen Reparaturen erneute NZ$1100.

So komme ich ohne Weiterverkauf auf eine Endbilanz von NZ$4370. Ne ganz schöne Summe.. Aber der Spaß war es mir wert und schließlich war Carlos, Haus, Schrank, Wohnzimmer, Musikanlage, Bett und nicht zuletzt Gefährte in einem.

Viele Geschichte gibt es zu Erzählen, etwa wie Rückwärts in ein Polizeiauto gerollt bin, während der Polizist mich unverständlich auf englisch anschrie, die zahlreichen Ausfluege bei Nacht, bei Tag, die kurzen, langen tiefen jedoch nie schlaflosen Nächte am Meer, in den Bergen in der Stadt oder dem Garten.. Und nicht zuletzt die immer wieder kehrende Freude nach einem Tagesmarsch oder gar einem Track von mehreren Tagen erschöpft ins Auto zu setzen und zu wissen: Ich bewege mich gleich mit etwa 70km vorwärts und muss nichts weiter tun als Gas geben. Nie wird ich die Zeit vergessen

Kia Ora, Bro

Mari im Wunderland?

•März 9, 2010 • 2 Kommentare

 Tage wie Sekunden, Sekunden wie Jahre. Ich wandle zwischen den an mir vorüber ziehenden Welten am Straßenrand, durch die unendliche Zeit die überall ist und doch nirgends. Zu kurz, wenn man den Moment gern festhalten würde und zugleich unnachgiebig lang und verletzend kann sie sein.

Ein Hoch lässt mich in Lichtgeschwindigkeit fliegen. So stehe ich im Wind, spüre die Sekunden, die mich umwehen wie junge Blätter im Herbst. Und alle was tun ist, ist zu tun; denn irgendwann weiß man, dass manche Momente, wie Sterne ein letztes Mal zu einem sprechen, ehe sie unwiederbringlich im Nirgendwo verglühen.

Dunedin hat meine geschundene Reiseseele mit Gitarrenmusik und einer Ukulele besänftigt. Ich habe das Haus meiner Couchsurfer-Hosts vollends genutzt, indem ich es drei Tage kaum verlassen habe. Das gab mir Gelegenheit zum runterschalten. Ich brauche immer mehr Pausen im Moment, das besorgt mich. Nicht ernsthaft natürlich, und doch zeigt es mir auf, dass es Zeit ist für ein Ende des Wartens. Warten auf den Sonnenuntergang, die Flut, die Ebbe, den Morgenkaffee, die nächste öffentliche Toilette oder endlich wieder Strom.

Ich fuhr meinen Weg entlang der Küste, über Oamaru nach Mount Cook Valley, wo ich mich nach einer heißen Sauna im Hostel, der ersten Sauna seit meiner Abreise, endlich wieder wohl fühlte. Umgeben von schneebedeckten Bergen, in dem man nachts die Schneebretter von den Hängen rutschen hören kann, wenn man genau lauscht. Das Hostel in Mt. Cook war wunderbar. Voller freundlicher Energien. Den nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Wanderung zur Mueller-Hut auf etwa 1.800 Höhenmeter geplant. Dieser Plan wurde jedoch vom Wetter durchkreuzt, und so verbrachte ich den Tag mit dem Besuch des DOC-Visitor- und dem Sir Edmund-Hillary Centre. Beide Center   beherbergen eine große Ausstellung zur Geschichte der Umgebung der Bergsteiger-Kultur, der Flora, Fauna und dem Tribut der Gebirge, die zu meiner Verwunderung nach wie vor jährlich zahlreiche Todesopfer fordern.

Ich erfreute mich am reichhaltigen Dokumentarfilmangebot, das Physik, Historie   und Astronomie abdeckte und mir so im Stillen: Wäre es nicht mal toll mit einem Helikopter zu fliegen?

Gedacht – Getan.. Am nächsten Morgen saß ich auf über 3.00 Metern Höhe in einer kleinen Blechkapsel. Wir überflogen den Mt. Cook Gletscher-Fluss, machten eine Runde um den majestätischen Gipfel      und landeten auf einem Gletscher. Der Flug war ohnehin schon günstiger, da ich einen Single-Restplatz für über hundert Dollar ergattern konnte. Da wir aufgrund des aufsteigenden Nebels keine 360° Umrundung des Mt. Cook machen konnten, bekam ich noch mal 90 Dollar erstattet, wo ich ohnehin schon weniger bezahlt hatte, als meine fünf asiatischen Co-Flieger. Mit diesem Gefühl eines guten Schnäppchens verließ ich Mt. Cook Village in Richtung Lake Tekapo. Selbiger ist für sein tiefes Türkis bekannt, das durch reflektierende Partikel im See den blauen Himmel widerspiegelt.

Ich blieb dort einen erneuten Tag, da ich nachts die Mt. John Observatory besuchen wollte. Da Lake Tekapo für seine reine Atmosphäre bekannt ist, ist das Observatorium auf der Liste der Anwärter als World Heriatage Sky Area. So sagte man mir: Wir beschützen Wasser, Land, Natur, aber niemand beschützt den Himmel.. So wird in ganz Tekapo ausschließlich ein bestimmtest oranges Straßenlicht verwendet, das möglichst wenig strahlt und blendet.

Ungünstiger Weise war der Himmel just an diesem Abend bewölkt, so dass wir zwar eine wundervolle Sonnenuntergangstour bekamen und im Observatorium herumgeführt wurden, der erhoffte direkte Blick in die Sterne blieb jedoch aus. Allerdings bekam ich so viele Eindrücke, Bilder und Filme gezeigt, die wohl den direkten zufälligen Blick durchs Teleskop wett machen.        

So verließ ich dennoch zufrieden die Sternwarte, hinein in mein Hostel. Die Nacht im Acht-Bett Zimmer war unruhig und sägend, so dass ich schon um fünf Uhr wieder wach war, um mit zu Hause zu telefonieren, das Twilight und den Sonnenaufgang an den berühmten Good-Shepherds’-Church zu bewundern.

Von Tekapo reiste ich weiter nach Christchurch. Ich wartete bereits seit langem Ungeduldig, endlich diese Stadt zu sehen, da ich mir im Vorfeld einen Schlafplatz bei Lee besorgt hatte, wusste ich demnach auch ein direktes Ziel dort. Lee war superfreundlich, und lud mich direkt auf eine Sonnenuntergang auf dem Viewpoint ein- auf seinem Motorrad natürlich. Das war meine erste Fahrt auf eine Motorrad, doch auf einem Rod-Trip durch Neuseeland, nach einem Helikopter-Flug konnte mich so schnell nichts verschrecken. Neben mir war auch Felix, ein weitere deutscher Backpacker unter tausenden, bei Lee unter gekommen und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend und machten Pläne für den folgenden Tag, der wieso auch immer speziell werden sollte..         

Am darauf folgenden Vormittag warfen wir uns in Schale, nahmen Säbel, Schwimmringe und Kopftuch zur Hand und fuhren zum Botanischen Garten, wo wir Gondelboot und Kajaks in der Avon jagten. Die Beute war mickrig, doch der Spaß und das Aufsehen groß. Abends sahen wir den neuen „Alice in Wonderland“ Film, auf den ich mich schon seit Monaten freute, ein großartiges Erlebnis, diesen Film vor allem in 3D genießen zu können. Großartig!!! Ich freue mich darauf, ihn in Deutschland noch einmal anzusehen.

Am nächsten Tag, ein Freitag hieß es Abschied nehmen, ich kam jedoch nicht weit, denn unweit sah ich das Schild „Hohepa Canterbury“. Ich fiel in das Office ein und wusste eigentlich gar nicht was ich dort so recht wollte, so fragte ich nach jemandem, der mich vielleicht ein wenig rumführen könnte, da ich von meine Hohepa Auckland Erfahrung gespannt auf die anderen Einrichtungen in Neuseeland war. Man zeigte mir Elena, eine junge deutsche Volontärin, die mir am Nachmittag all meine Fragen beantworten würde können. Ich fuhr orientierungslos durch die Stadt, verfuhr mich ein duzend mal, doch erreichte zum guten Schluss Hohepa, wo ich bei Tee auf der Couch mit Elena über das Hohepa-Leben erzählte. Die Erfahrungen, die wir beide machten warnen erschreckend ähnlich, trotz der Distanz der beiden Einrichtungen. Wir redeten bis in die Nacht, die ich bei Hohepa in den Volontäts-Wohnung auf dem Wohnzimmerboden verbrachte.

Samstagmorgen machte ich mich in aller Frühe auf in die Stadt, denn ich hatte das Gefühl nach wie vor noch nicht viel von Christchurch gesehen zu haben. Ich besuchte den Kunstmarkt mit seinen Handarbeitsständen und Fressbuden, traf mich danach noch mal mit Elena zum Stadtbummel, Sightseeing der Christchurch Cathedral und auf einen lecker-schmucker Muffin mit Milchkaffee. Eigentlich wollte ich gegen Nachmittag nach Keikoura los fahren, da ich mich jedoch so gut mit Lee verstanden hatte, versprach ich ihn noch einmal zu besuchen, und blieb.. Ein gemütlicher Sonntag mit Tee und Draußen nur durchs Fenster sehen..

Montag Mittag zog ich dann doch los, mittlerweile komplett abgebrannt, da meine Kreditkarte gesperrt war. Ich hoffte auf eintrudelndes Geld auf meinen Account von meinen Eltern und fuhr indes Richtung Keikoura.

Gegen Abend machte ich Halt am Strand, ein Schild versprach „Beach Camping“, „Au ja“ dachte ich…

Die ersten Haltebuchten schienen mir zu nahe an der Straße, so fuhr ich weiter.. Als ich auf Sand auffuhr dachte ich „Oh weih, ich dreh besser um..“ Tja, weit kam ich nicht, denn meine Auto steckte bereits mit beiden Reifen im Sand. Ich stieg aus, grub und grub, legte Treibholz unter, stieg ein, versuchte los zu kommen, ich bewegte mich jedoch nur im Zentimetertakt..

Es wird mehr und mehr Dunkel und ich roch das heiße Plastik meiner Reifen, so beschloss ich Hilfe zu holen. An der Straße bei Dämmerung ein Auto anzuhalten war gar nicht so leicht, mein erstes Opfer war zu bequem und konnte mir ohne Vier-Rad-Antrieb ohnehin kaum helfen. Ich rannte also zu einem der beleuchteten Häuser auf der anderen Straßenseite, die mich bereits aufgelöst am Straßenrand hatten stehen sehen. Eine junge Frau fuhr mit mir durch die Nachbarschaft und nach einiger Zeit fanden wir einen älteren Herrn, der in Pantoffeln in seinen Pick-Cup stieg, um mich aus meinem Schlamassel zu ziehen.

Nach ein paar Anläufen kam ich frei und Carlos hatte wieder festen Boden unter den Füßen. Ich fiel meinen Rettern um den Hals, die danach genauso schnell verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Zu allem Überfluss hatte ich bei der ganzen Aktion einen meiner neuen Ohrringe verloren, die bereits nach zwei Tagen zu Lieblingsstücken avanciert waren, trotz gründlicher Suche heute am Ort des Geschehens beleiben sie verschwunden. Traurig.. So verabschiedete ich diesen aufregenden Geldlosen Stresstag am Straßenrand zwischen Brandung und LKW-Verkehr.

Heute bin ich endlich in Keikoura angekommen. Nach wie vor kein Geld, so ist die Fähre für Mittwoch Morgen wohl gestorben. Obwohl ich nach wie vor einige Vorräte habe, ich bin gesund und in einem wunderbaren Land, macht mich der Gedanke, keinen Penny in der Tasche zu haben etwas nervös, vielleicht wohl nur, weil ich hoffte, morgen früh die Fähre nehmen zu können.. Glück im Unglück erinnerte ich mich an eine SMS von Felix, die er mir von dem Handy seines Couchsurfers Spyro in Keikoura gesendet hatte. Ich dachte, die Frage sei wohl etwas dreist und kurzfristig doch ich schrieb Spyro und siehe da, der hat einen Unterschlumpf für mich heute Nacht.  So kann ich hoffentlich von dort aus vie Festnetz meine Karte entsperren lassen und die Fähre am Donnerstag oder Freitag nehmen.

Mein Computer macht mehr und mehr Zicken, mittlerweile ist es wirklich schwierig, in auf Batteriebetrieb laufen zu lassen, weswegen das Blog-Schreiben in der letzten Zeit etwas Stressreich war, nun musste es aber doch mal sein.

Von Wellington, wo die Fähre ansetzt, fahre ich ohne geplante Stopps weiter nach Auckland, wo ich dann HOFFENTLICH ertragreich mein gutes Auto los werde. Da jede Verkaufsstrategie an der Ostküste sinnlos erscheint, weil einfach jeder sein Auto hier verkaufen möchte, beschloss ich es doch, mit hinauf auf die Nordinsel zu nehmen und es bei Hohepa verkaufen zu lassen.

Viel geschrieben und doch nicht nahezu alles erzählen können. Habe das Gefühl dieser Eintrag ist literarisch ziemlich lahm, doch die vielen Dinge, die ich erlebt habe ließen ohnehin kaum Raum für die schönen Kleinigkeiten dazwischen, die Autofahrt durch Schmetterlingskolonien, meine Freudentränen, meine Verzweiflungstränen, der Mars, ein frischer Apfel vom Baum oder  ein vorbei treibender ertrunkener Igel im Fluss, der mehr schwebt als schwimmt..

Heute in einer Woche geht mein Flug. Noch sieben Tage Abenteuer.

Die letzten 21 Tage

•Februar 22, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Städte, oder im Neuseeländischen Kontext besser gesagt: Siedlungen, geben mir immer die Gelegenheit zum Rückblick. Nicht zuletzt wohl wegen des Stromanschlusses.

So sitze ich gerade hier in Dunedin, im Café Cinnamon (mit einem Spinache-Corn Muffin und dem zweiten Cafe [denn ich sitze schon seit zwei Stunden]), schreibe, lese, schaue mir meine Fotoshots an- Passanten ziehen vorüber und der Straßenlärm mischt sich mit dem Geruch von frisch gemahlenem Kaffee und dem Orchester der Kaffeemaschine. Gleichermaßen wie der Rückblick überfällt mich in jeder größeren Population das Gefühl der Einsamkeit und Leere. Die letzten drei Monate waren stets begleitet von Plänen, Menschen, Erwartungen und SOO viel Zeit. Nun habe ich bald meine Rundreise beendet, bin seit Samstag quasi auf dem Rückweg in den Norden. Carlos ist noch nicht unter der Haube und niemand ist hier, mich zu belustigen. Dem entsprechend war meine Stimmung letzte Nacht, als ich in Dunedin ankam, kein Platz zum Schlafen, und bloß eine Schattengestalt unter Hunderten in dieser doch recht großen Stadt.

Doch sollte ich mich nicht beklagen, die letzten Tage und Wochen waren schließlich wieder wundervoll.

Ich genoss die letzten Tage in Te Anau, mit den Latinos, Nathan und seiner Couchsurfer-Crew und das Fjordland als ganzes, das mich noch immer mit wundervollem Wetter und einem Panorama verwöhnte und das mich so oft mit offenem Mund, staunend inne halten ließ.

Ich unternahm spontan den ersten Teil des Kepler Tracks, der mich fünf Stunden hinauf auf den eintausend-zweihundert Meter hohen Mt. Luxmore führte (und vier Stunden wieder hinab) Neun Stunden Mountaineering waren für mich eine ersehnte Herausforderung. Ich dachte an meinen Lieblings-Kinderbuch-Charakter und Alter Ego, Lotta. „Lotta kann (fast) alles“ heißt es dort und ich dachte: Ja, verdammt, ich kann (fast) alles! Warum ich mich dann von Städten und Schönen Frauen einschüchtern lasse, frage ich mich gerade- wo ich Berge bezwingen, Bäume erklimmen, Seelöwen fotografieren und alleine am Straßenrand übernachten kann.. Gefangen in meinem Ego?

Anyway..

Am Mittwoch, den 17. Februar ging es weiter von Te Anau in Richtung Catlins. Entlang der wunderschönen Fjordlandschaft mit seinem eingefurchten Gebirge, seinen wolkenumspielten Bergen und Seen. Auf diesem Weg erfuhr ich das erste Mal seit über vier Wochen richtigen Regen und sogar Sturm. Die Küste entlang der Catlins, der Südlichsten Region Neuseelands, in der es nur sporadisch Handynetzabdeckung und Internet gibt, ist gespickt von Aussichtspunkten und Scienic-Spots, die einen Halt oder auch Umweg wert sind. Gegen Abend versiegte der Regen und bescherte mir einen wundervollen Sonnenuntergang an meinem am Strand gelegenen Schlafplatz, wo ich auf meinem Abendspaziergang merkwürdige Meeresschätze fand. Muschelwesen, Korallen, Schwämme und riesige Schlingalgen spielt der Südpazifik an Land. Jedoch auch Glänzende Muschelschätze und Mineralien.

Am nächsten Morgen war es erneut stürmisch und nass und ich fuhr weiter in Richtung Süden und genoss das Wetter, das mich schon mal auf den Frühling in Deutschland einstimmte.

In einem kleinen Second-Hand-Shop entlang der Straße in Riverton entdeckte ich eine günstige Kindergitarre, der ich mich nach langem Zögern annahm. In den vergangenen zwei Wochen wuchs in mir mehr und mehr das Bedürfnis, eine Profession zu erlernen. Ich traf so viele Straßenmusiker, sah sie spielen, sah die Stimmung und die Menschen um sie herum und wusste- das ist es, was ich will! So kaufte ich dieses Kleinod, das nicht groß im Klang ist, und doch hoffentlich dennoch einen riesigen Grundstein legen wird!

Abends hieß mein letzter Halt Wakapapa Point, ein Strand mit altem Leuchtturm und zu meiner Überraschung, einer dreiköpfigen Seelöwen-Kolonie. Ich beobachtete den Seelöwen-Bullen bei seiner Brunft gegen einen Rivalen und im Spiel mit seinem Weibchen. Hörte seine Röhren und stellte überrascht fest, wie riesig und schnell diese Kolosse an Land sein können. Eine holländische Familie, die das Naturschauspiel über mindestens eine Stunde mit mir beobachtetet, lud mich anschließend in ihren Campervan auf Tee und Gebäck ein- Ein Leben wie auf dem Campingplatz.

Den nächsten Tag fuhr ich weiter, besuchte Slope Point, den südlichsten Punkt Neuseelands, wo es so sehr stürmte, dass man sich in den Wind legen konnte. Ich hatte das Ziel, erneut eine Nacht an der Küste zu übernachten, als ich in Papatowai, am „Lost-Gipsy-Bus“ Halt machte, um mir die dortige, wie auch immer geartete Ausstellung zu betrachten- ich hatte keine Ahnung..

Der Bus war gespickt von kleinen mechanischen Kunstwerken aus Holz, Draht und Fidel-Dingen, die Neil, der Besitzer in Kurbel-betriebene Spielzeuge verzaubert hatte. Manche mit elektrischem Licht mithilfe einer Batterie. Wundervoll. Die neben dem Bus aufgebaute Ausstellung zeigte noch mehr seines Könnens und ließ mich staunen. Ein wirkliches Genie, dieser Mann.

Als ich mich nach meinem Besuch verabschieden wollte, luden mich Neil und sein Freund James auf einen Drink ein und so blieb ich – für einen Drink, für Dinner, für die Nacht, für den folgenden Tag und verließ diesen tollen Ort, voller interessanter Menschen und Musik am Sonntag-Mittag, nach einer Strandparty. Wegen der auslaufenden Auktion von Carlos musste ich bald Internet finden, was wie bereits gesagt, im Southland nicht gerade einfach ist, und haschte somit etwas schneller als gewöhnlich gen Dunedin. Nicht jedoch ohne die Highlights mitzunehmen, wie etwa den magischen Nugget-Point.

Alle Eindrücke entlang der Catlins kann ich niemals erwähnen, es waren zu viele, aber ich sah Pinguine, Seehunde, spielte Gitarre im Wundumpeitschten Auto, musste danach Fremd gestartet werden, da ich vergessen hatte, mein Fernlicht auszuschalten und kletterte mit den Vögeln durchs Geäst.

Und ja, nun sitze ich eine weitere Stunde später noch immer im Café, mein Kaffee ist halb leer und kalt, der Milchschaum klebt rau und alt am Tassenrand.

Ich habe noch drei wertvolle Wochen in Neuseeland und wünsche mir doch im Augenblick nichts mehr als von hier aus durch die Stadt in meine Wohnung zu spazieren. Auf dem Weg halte ich am Gemüseladen, kaufe eine Avocado, sehe das vertraute Gesicht des Gemüsehändlers, dem ich einen schönen Tag wünsche, und zu Hause lese ich ein Buch in meinem Sessel, oder studiere eine Profession.

Stattdessen schlürfe ich den kalten Milchschaum aus der Tasse, nachdem ich alles erledigt habe und keinen Strom mehr brauche. Spaziere durch die Stadt zurück zu meinem Auto, suche einen Waschsalon, danach einen öffentlichen Internet-Access-Point und reise dann irgendwann weiter- Auf zu noch mehr Küsten, Buchten, Seehunden und Möwen.. Wie alles kann selbst das Paradies einen ermüden.

Ersehnte Weihnachtsgrüße

•Februar 12, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Heute Morgen, lag meine Weihnachtspost im Briefkasten.
Nach Auckland adressiert, wartete sie dort zum Weitersenden bereit, doch da ich nie eine stete Adresse vorweisen konnte, nahm Maria von Hohepa die Briefe in ihr Reisegepäck, um sie mir persönlich bei unserem Wiedersehen zu übergeben. Da jedoch, wie sie so schön schrieb, gerade beim Reisen nichts, aber auch gar nichts vorauszusagen ist, und wir uns bedauerlicher weise nun vielleicht doch nicht mehr auf der Südinsel treffen werden, sandte sie mir die Briefe in einem großen Umschlag nach Te Anau, wo ich nun, mit Schokoladen-Sandwich, Milchkaffee und Müsli am Couchtisch saß- es ist warm und sonnig vor dem Fenster- und die an mich gerichteten vorweihnachtlichen Zeilen las.
Es gibt Menschen, die weniger rührselig sind. Vielleicht liegt es an der dickeren Schale oder wie meine Mama annimmt, an der Verbindung zu Gott- Doch als ich dort saß, über den in unterschiedlichen Handschriften verfassten Zeilen meiner Freunde, meiner Oma und meiner Eltern, kamen mir Tränen der Rührung und des Glücks; Gesegnet zu sein, indem dort Menschen leben, die mich trotz aller Mühe des Alltags die Zeit nehmen, in Liebe und Freundschaft an mich zu denken, die mich um meiner Selbst mögen und deren Liebe mitunter so unsagbar groß ist, dass ich nicht einmal ahnen möchte, wozu sie fähig sein kann.
Mariel erreichte mich aus Vietnam mit einem Einblick aus den letzten Tagen in Hanoi, ehe sie zurück nach Deutschland geflogen ist. Naxina schrieb mir von der Tomaten-sauce auf dem Herd und dem Katzenjunges Albertina, das seit zwei Wochen bei ihnen lebt und ihren Alltag bereichert. Meine Oma wünscht mir Zeit zum Staunen, zum Lieben und zum Verschenken, zum Vergeben, zum Reifen und letztlich zum Leben.
Meine Ma berichtet von der dicken Reklame-Rolle, die ein alter Mann in unseren Briefkasten warf, und die sie gewohnheitsmäßig achtlos ins Altpapier wirft, da die Prospekte bloße Konsummanipulation sind- Doch im nächsten Augenblick der Achtsamkeit dachte sie an den alten Mann und seine Mühe, die Prospekte zu sortieren und sie Stück für Stück in die Briefschlitze zu werfen. Sie dachte an die investierte Zeit und daran, dass jeder Mensch seinen Teil zum gelingen unserer Gesellschaft beiträgt und dass sie daher beschloss, die Prospekte nun doch zumindest ein einziges Mal durchzusehen, um der Arbeit des alten Mannes Wertschätzung entgegen zu bringen.
Diese Briefe lasen sich wie die bisher obligatorischen Astrid Lindgren Weihnachtsgeschichten, die ich zur Vorweihnachtszeit genoss. Wärme aus der Tiefe der Herzen der Menschen, in Buchstaben zu Worten verformt und doch so mächtig in ihrer Kraft, Wärme zu spenden und mich in ihrer metphysischen Existenz so tief zu berühren, dass greifbare Liebe entsteht. Das ist das Wunder der Weihnacht, am 12. Februar 2010.

Endspurt und alles, was erledigt werden muss

•Februar 11, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Da ich mich unerwarteter Weise noch immer in Te Anau aufhalte – Es ist einfach ZU traumhaft hier – Fand ich Kraft der unausweichlichen Wahrheit ins Auge zu blicken und einige Dinge auf den Weg zu bringen.
Vor allem den anstehenden Verkauf meines lieb gewonnenen Autos verdrängte ich für lange Zeit, doch da ich nun weiter Pläne geschmiedet habe, und einer davon den Besuch der polynesischen Insel Samoa vorsieht, hatte ein Einstellen von „Carlos“ in Trade Me, dem neuseeländischen E-Bay eine schöne Facette gewonnen und mir die Kraft verliehen den ersten Schritt in Richtung Abreise zu gehen.

Nach einigen Tagen im Holliday Park fand ich eine Couch bei Nathan, der mich, gleich unzähligen weitern Couchsurfern, in sein sauberes und schönes Haus einlud. Dort verbringe ich nun die Tage, in denen ich Zeit finde, mich zu sammeln. Es ist unglaublich, wie viele liebe Bekanntschaften ich hier in Te Anau mache, ich laufe durch die Straßen und treffe auf Freunde.. Wow. Nathans Haus ist durch die anderen Surfer zu einer Art Hostel-Heim für mcih geworden, und abends treffe ich Santiago und all die anderen tollen Menschen im Holliday Park, wir kochen, essen, musizieren und lachen gemeinsam.

Somit dreht sich mein Leben derzeit mehr um Leben und genießen, als um reisen und erleben, denn diese Zeit hier ist wahrhaft wertvoll und unvergesslich. Heute abend bin ich zu Nathans BBQ eingeladen und danach zu Fefos Geburtstag im Holliday Park. So verspricht dies ein grandioser Tag zu werden, mit der Gewissheit, den unbequemen Schritt in Richtung Carlos-Verkauf endlich hinter mir zu wissen. Ich hoffe, dass ich mein Auto für den angegebenen Preis verkaufen kann.. HOFFE, HOffe, hoffe, hOFFE!

Ja, und dann gehts nochmal, sofern alles klappt, auf einen letzten größeren Trip und zwar nach Samoa. Mal sehen, was daraus wird..

http://www.trademe.co.nz/Browse/Listing.aspx?id=271312880

Besos

muchachos

Don´t walk AND watch

•Februar 4, 2010 • 3 Kommentare

So, nun war ich also auf dem Milford Track und soll euch berichten?

Es war eine wunderschöne Zeit. Entgegen der steten Wetterprognose von minimum einem Regentag auf dem Track, hatte ich vier Tage durchgehenden wolkenlosen Sonnenschein und

perfekte Temperaturen zum Laufen. Der kühle Regenwald tat sein übriges.

Von Te Anau, wo ich Donnerstag nachmittag ankam, nahm ich einen Bootstransfer zum Startpunkt des Tracks, Glade Wharf. Santiago, dessen freier Tag es war, begleitete mich auf der Fahrt und lief noch ein Stück mit mir, ehe er zurück zum Boot musste, das ihn zurück nach Te Anau brachte. Ich lief noch wenige Kilometer, ehe ich die Hut erreichte, in der ich die erste Nacht verbrachte. Am nächsten Tag ging es gemütlich entlang riesiger Berge mit schneebedeckten Spitzen, mit Wasserfällen und Bachläufen. Die Sonne schien ihre Feiertagsstrahlen zu Grillengezirpe und Vogelgezwitscher.

A la´ „Hans guck in die Luft“ lief ich, während ich staunend auf die Wasserfälle fixiert war, vom

Weg ab in einen Graben, woraufhin mein Knie mit unzähligen Stichen genäht werden musste – Glücklicher  weise jedoch nur das meiner wertvollen Merino-Leggins. What a pity :(

Der einzige Wehmutstropfen waren in der tat die Sandfliegen, die sich über einen her machten, sobald man stehen blieb, oder sich gar hinsetzte. Jedoch bin ich seit dem Rainbow Gathering jedoch weitgehend an die fiesen Biester gewöhnt, beziehungsweise weiß die Bisse zu vermeiden. Der Hut-Ranger erzählte uns dazu eine schöne Geschichte:

Maori legend even explains the existence of the sandflies. It says that when the god Tu-te-raki-whanoa finished creating the landscape of Fiordland, it was absolutely stunning…so stunning that it stopped people from working. They just stood around gazing at the beauty instead. The goddess Hinenuitepo became angry at these unproductive people, so she created the sandfly to bite them and get them moving.

Der dritte Tag stand im Zeichen der Pass-Überquerung. Der Weg war jedoch bei weitem nicht so anstrengend, wie alle befürchtet hatten- zumal ich von meinem vorherigen Training härteres

gewöhnt war. Die Spitze war jedoch aufgrund der frühen Morgenstunde, in der ich die Höhe erreichte in dichten Wolkennebel gehüllt, der mir die beworbene weite Aussicht verwehrte. Dafür sah ich etwas anderes, worauf ich schon seit meiner Ankunft in Neuseeland sehnsüchtig gehofft hatte: Drei Keas saßen dort, im tosenden Wind und spielten mit den Böen. Sie sind wirklich groß und wunderschön, wenn auch etwas zottelig :)

Auf dem darauf folgenden Abstieg lichteten sich die Wolken sehr bald und die Aussicht auf der

anderen Seite des Passes war Wahnsinn.

Unglücklicher Weise muss ich mir wohl zu beginn des Abstiegs das Knie verdreht haben, da es nach kurzer Zeit unerträglich zu schmerzen begann, sobald ich es beugte. Dieser Zustand wurde leider nicht weniger und raubt mir noch heute den Schlaf. Bisher hoffe ich noch auf eine Wunderheilung durch nicht Belasten.

Kurz vor erreichen der dritten Hut stand die Möglichkeit auf einen Abstecher zu den Sutherland

Falls, den höchsten Wasserfällen Neuseelands. Der Weg zu den Fällen war magisch. Der Wald, die Steine auf und entlang des Weges waren von dichtem Moos bewachsen und Flechten umwehten die Äste der Bäume.

Dort angekommen wehte mir bereits der feine Sprühnebel des riesigen Wasserfälle entgegen und lud zu einem Spaziergang unter den Fällen ein. Der Weg führte über feuchte, von dickem Moos bewachsenen Steinen und Felsen unter den Wasserfall, wo es unheimlich laut und stürmisch

war. Ohne ins Wasser selbst gegangen zu sein, machte mich das Sprühwasser tropfnass.

Zuück auf der Wiese legte ich mich ins Gras, die Sonne wärmte meine feuchte Haut und der Sprühstream des Wasserfalls kühlte angenehm. Ich schloss die Augen, lauschte dem Tosen des Wassers und da war er: Der beste Moment!

Jon fragte mich jüngst, nach meinem besten Moment in Neuseeland- Und dort hatte ich ihn erlebt. Es war bloß ich und die Natur in völliger Harmonie, ohne Angst, Ärger oder Stress.

Das war der dritte Tag, ein ganz und gar wunderschöner in diesem traumhaften Land. Ich war allein für mich in diesem riesigen Nationalpark und genoss es in vollen Zügen.

Der vierte und letzte Lauftag waren dagegen weniger angenehm, da ich mein Knie kaum beugen konnte und die letzten fünf Stunden humpelnd zwischen Steinen und Geröll umher stakste.

Dem entsprechend froh war, als ich den Endpunkt, Sandfly Point erreicht hatte, von wo ich mit einem Boot nach Milford Sound gebracht wurde, wo ich eine Nacht in einem Hostel gebucht hatte, um etwas zu entspannen.

Wenige Tage zuvor, in Queenstown hatte ich mir in einem Outdoorladen eine funktionale Icebreaker Merino-Leggins für NZ$ 90 gekauf, die ich vier Tage oder mehr am Stück tragen konnte, ohne dass sie zu müffeln beginnen würde. In einem Second-Hand-Shop, wo ich eigentlich bloß nach einem Kopftuch Ausschau hielt, entdeckte ich ein wie neu aussehendes

Icebreaker Merino-Shirt für unsagbare NZ$ 25. Im Geschäft zahlt man etwa das vier-fache.

So war mein Dress also komplett und ich brachte für kommende Tage weder wechselnde Klasse!

Dienstag morgen ging es dann für mcih zuück nach Te Anau, wo ich seitdem sehr günstig im Holiday Park relaxe, den Tag am See Te Anau verbringe, mit meiner Slackline, lesend oder Santi beim Gitarre spielen lausche.. Was für ein Leben, kaum zu glauben..

Am Freitag geht’s auf einen Kajak-Trip entlang des Milford Sound und danach voraussichtlich weiter Richtung Catlins, in den südlichsten Süden vor der Antarktis (von einigen weitgehend unbedeutenden Inseln abgesehen)

In diesem Sinne..

Life the Bare Necessities!

Erst Franz, dann Fox und dann auch noch Roy

•Januar 27, 2010 • 2 Kommentare

Schlag auf Schlag geht’s nun in Richtung Süden, täglich bin ich diese Woche durchschnittlich 400km gefahren. Ich mache es dabei wie die großen Busunternehmen: ich halte an, wo es schön ist, genieße die Aussicht, knipse ein Foto (gern auch mal mehrere) und fahre weiter. Glücklicher weise bin ich dabei jedoch allein, kann während der Fahrt lauthals singen, und laufe nicht in Heerscharen von geklonten, Leggins und Shorts tragenden Abiturientinnen, auf deren Baumwolltasche unsichtbar „Meine Retro-Sonennbrille macht mich so individuell“ geschrieben steht.
Sonntag brach ich nach einem gemütlichen Vormittag mit Jaclyn, meiner großartigen Rainbow-sister von Murchison auf. Auf dem Weg entlang der Westküste besichtigte ich die Pancake Rocks, eine imposante Klippen-Attraktion, die durch dünn gelagerten Limestone einem Pfannkuchen-Stapel ähneln soll. Wer dabei jedoch an Pfannkuchen denkt, muss viel Fantasie oder Hunger besitzen. Nichts desto trotz ein lohnenswerter Stop.
Am Monatg erwachte ich in der Jade-Hauptstadt Hokitika, wo ich meine neue Westküstenleidenschaft entdeckte: Nach Jade-Edelsteinen am Stadt suchen. Der Stand trotz nur so vor grünen Steinen, doch darunter einen echten Jade zu entdecken, lässt mich regelmäßig in einen halbstündigen ekstatischen Suchlauf entlang der Kieselstein-Bänke verfallen. Immerhin sehr entspannend.. Gefunden habe ich übrigens bislang keinen (glaube ich zumindest) Pounamu, wie die Maoris die Greenstones auch nennen.
Die Gletscher Franz Josef und Fox standen Nachmittags zur Besichtigung an. Ein Programmpunkt, auf den ich mich im Vorfeld ganz besonders gefreut habe, da ich noch nie zuvor einen Gletscher gesehen habe, und mich selbige (zu unrecht) immer etwas milde in Sachen Klimawandel stimmen. Am Parkplatz des Fox-Gletschers traf ich eine alte Bekannte, Diana, mit der ich einige Wochen in Nelson gearbeitet und gelebt hatte. War eine schöne Überraschung, sie dort noch mal zu sehen, ehe sie nach Australien aufbricht.
Die Gletscher waren beeindruckend, die chinesischen Reisemassen, die ungünstiger weise den selben Sightseeing-Rhythmus besaßen, und jedes Warnschild fotografieren, jedoch nach einiger Zeit etwas nervig.
Die letzte Tankstelle vor 120km, die um halb acht abends ihren Dienst einstellt zwang mich dazu, in Fox zu übernachten. An einer Landstraße, mit einer wunderbaren Aussicht, quartierte ich mich für die Nacht ein- im Schnarchtakt mit den Kühen.
Dienstag: Nach einer langen Autofahrt entlang des Mt Cook und Mt Aspiring National Parks, verbrachte ich den restlichen Tag in Wanaka. Direkt vom Parkplatz aus, wo ich meine weitere Route ausmachte, konnte ich dort einen kleinen Tornado aus nächster Nähe beobachten- sehr eindrucksvoll. Die Windhose war zwar nur etwa 1 Meter im Durchmesser, jedoch über zehn Meter hoch, und rostrot von der mineralischen Erde in dieser Gegend.
Ich plante, mich durch einen etwa drei-stündigen Walk auf mein am Freitag folgenden Great Walk entlang der Milford Sound vorzubereiten: Eine leichte Wanderung entlang des Mount Roy sollte es werden.
Ich hätte mich besser am Parkplatz über den Namen des dort startenden Tracks erkundigt, denn der führte nicht entlang, sondern schnurstracks AUF Mount Roy. Bis ich das jedoch begriffen hatte, hatte ich bereits das erste drittel des Aufstiegs absolviert- ein äußerst steiler Anstieg. Der Gipfel-Track ist fünf Stunden lang, in der in drei Stunden 1200 Höhenmetern überwunden werden. Da ich den Weg erst um halb fünf begann, war es dem entsprechend spät, als ich wieder den Parkplatz errichte; doch die Aussicht war fantastisch und jeden müden Knochen wert! Wow!
Da mir Wanaka danach nicht mehr viel bieten konnte, fuhr ich nach einem vorzüglichen Broccoli-Kokos-Risotto vom Gaskocher (Gesund und gut outdoor kochen ist gar nicht so aufwendig wie ich dachte) weiter in Richtung Queenstown. Gegen zwölf machte ich Rast auf einem Aussichtspunkt oberhalb Queenstowns, wo ich todmüde in unruhigen Schlag verfiel. Mein Autobett ist momentan nicht mehr so komfortabel, wie gewohnt- sehr zu meinem Leidwesen meiner Augenringe.
Früh morgens machte ich mich auf nach Queenstown. Eigentlich plante ich hier ein vielfältiges Actionprogramm mit Gondelfahrt, Sommerrodelbahn und Sightseeing. Mein Besuch erschöpfte sich bislang jedoch darin, Internetanschluss und einen Waschsalon zu finden. Internet habe ich nach wie vor nicht gefunden und Wäsche hab ich auch keine gewaschen- Jedoch weiß ich, wo ich später duschen, Wäsche Waschen und ins Internet gehen kann. Solange bummele ich durch die Stadt, werde morgen mit der Gondel hoch und runter fahren und ansonsten entspannen. Morgen geht’s nach Te Anau, der Startort des Milford Track, wo ich, wie es der Zufall will, Santiago, einen uruguayischen Musiker (unglaublich talentiert und gut aussehend) treffe, dessen Triangel ich versehentlich (ehrlich!) geklaut habe. Somit hat Te Anau für mich nicht nur ein, sondern gleich zwei Attraktionen zu bieten.
So mache ich mich mal in die Touristenmassen und schaue, was der Tag in Queenstown noch so zu bieten hat.
Bis nächste Woche, mit dem Bericht über einen der schönsten Wanderwegen der Welt.
Kia Ora!

Anhang: Gondelfahrt absolviert, Sommerrodeln abgeschrieben, jedoch jede Menge der Stadt gesehen und eine lange schwarze Merino-Unterhose gekauft. Habe Wäsche gewaschen, wurde jedoch mit meinem Duschanliegen abgewiesen, nun hab ich mcih in ein Hostel geschmuggelt, und in aller Ruhe ausgiebig geduscht-großartig, diese anonymen Touristen Herbergen!
Habe zu meiner großen Freude Alrik in der Stadt getroffen, ein Freund, der sagenhaft Akkordeon spielt und den ich auf dem Rainbow Gathering kennen gelernt habe. Werde also noch einen unterhaltsamen Abend haben mit Musik von ihm und einem Gitarre spielenden Brasilianer. Und einem Mädel, das später im Park Feuer-Pois jongliert. Leben kann so schön sein..
Frisch geduschte Grüße

 
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